Service-Navigation

Suchfunktion

Warndienst 22 vom 28.09.2018

Datum: 28.09.2018

Information Warndienst Pflanzenschutz 28.09.2018

            

Wir informieren Sie Herbiziden in Wintergetreide und Gewässerabstand

 

Herbizide Wintergetreide

Im Frühjahr waren wieder einige nicht zufriedenstellende Ungrasbekämpfungen zu beobachten. Um die vorhandenen Wirkstoffe möglichst lange wirksam zu erhalten, muss auf einen konsequenten Wirkstoffwechsel innerhalb der Fruchtfolge geachtet werden. Hier ist es ratsam, die weniger resistenzgefährdeten Wirkstoffe Flufenacet und Prosulfocarb (Boxer, Jura) mit in die Mischungen einzubauen.

Neben dem klassischen hohen Besatz mit Ackerfuchsschwanz ist v.a. im Odenwald auch der Windhalm wieder stärker aufgetreten. Auch hier nehmen Resistenzen gegen Sulfonylharnstoffe wie z.B. Atlantis oder Broadway schnell zu. Da der Windhalm überwiegend im Herbst keimt, sind sichere Bekämpfungsmöglichkeiten mit einem flufenacet-Mittel im Herbst zu erreichen. Zu möglichen Mischungen nehmen sie bitte Kontakt mit mir auf.

Neue Wirkstoffe mit Gräserwirkung stehen leider weiterhin nicht zur Verfügung, so daß wir mit den bisherigen Mittel auskommen müssen. Daher gilt es, die Wirkung zu optimieren.

Neu als breitblättriger Partner ist das Mittel Cleanshot zugelassen. Neben dem bekannten Primus-Wirkstoff Florasulam enthält Cleanshot den bisher im Zierpflanzenanbau zugelassenen Wirkstoff Isoxaben. Da Isoxaben nur über den Boden wirkt, muss der Einsatz früh erfolgen, so daß bevorzugte Mischpartner z.B. Herold oder CTU-haltige Mittel sind. Vorteil ist, dass sowohl ALS-resistente Unkräuter und auch Clearfield-Ausfallraps erfasst werden.

Als neue Pack-Lösungen sind Franzi Komplett, der die Mittel Franzi (reines Flufenacet) und Alliance enthält und Boxer Cadou Set erhältlich. Jura ist die Fertigformulierung aus Boxer und Diflanil (3 l Jura = 2,5 l Boxer + 80 ml Diflanil).

 

Als Mittel mit Gräserwirkung stehen uns im Herbst nur Flufenacet- und Chlortoluron-haltige Mittel, Axial bzw. Traxos und Boxer als Wirkungsunterstützung zur Verfügung.

Bei den flurpyrsulfuron-haltigen Mitteln wie Lexus, Vertix oder Absolute M ruht die Zulassung weiterhin, dies bedeutet ein Anwendungsverbot.

Mittlerweile sind eine Vielzahl von flufenacet-Produkten solo oder auch in Mischungen auf dem Markt. Die Zulassungen sind aber sehr unterschiedlich. Herold hat dabei die breiteste Zulassung inkl. Dinkel und ist preislich nur 2-3 €/ha teurer als z.B. Carpatus SC. Eine größere Ersparnis von 7-8 € ergibt sich bei der Eigenmischung aus Fence + Diflanil, allerdings hat Fence nur eine Zulassung in Wintergerste und Winterweizen. Auch die Eigenmischung von Jura + Fence + Boxer bringt gegenüber der Herold + Boxer-Mischung einen Preisvorteil von 10 €/ha.

 

Übersicht/Vergleich Eigenmischungen:

Produkt

Wirkstoffe

Preis

Zulassung

0,6 l Herold

240 g FFA + 120 g DFF

50 €

WG, WW, WR, WTr, Di

0,5 Fence   + 0,2 Diflanil

240 g FFA + 100 g DFF

43 €

WG, WW

0,6 Herold + 3 l Boxer

240 g FFA + 120 g DFF + 2400 g   Prosulfocarb

76 €

WG, WW, WR, Di

2,5 Jura + 0,5 Fence + 1 l Boxer

240 g FFA + 100 g DFF + 2460 g   Prosulfocarb

66 €

WG, WW

0,5 + 3 l Boxer Cadou Pack + 0,2 Diflanil

240 g FFA + 100 g DFF + 2400 g Prosulfocarb

70 €

WG, WW

Immer wieder stellt sich die Frage, ob überhaupt eine Herbstbehandlung erfolgen soll. Zwingend ist die Herbstbehandlung in frühen Saaten und auch bei hohem Gräserdruck. Anzuraten ist eine Behandlung, wenn die Flächen im Frühjahr erst spät zu befahren sind und auch bei schwieriger im Frühjahr zu bekämpfenden Unkräutern wie z.B. Storchschnabel. Nur in Spätsaaten oder nach Rüben oder Mais ohne Gräserproblematik sind reine Frühjahrsbehandlungen zu empfehlen.

In Wintergerste ist die Herbstbehandlung Pflicht, da im Frühjahr nur Axial mit eingeschränkter Wirkung zur Verfügung steht.

Auch wenn bei nicht optimalen Bedingungen Nachbehandlungen im Frühjahr nötig werden, sind diese dann aufgrund der noch nicht zu großen bzw. vorgeschädigten Gräser sicherer und v.a. verträglicher im Frühjahr zu bekämpfen.

 

Herbizide Wintergerste/Winterweizen

Die Fuchsschwanzbekämpfung in der Wintergerste ist nicht immer befriedigend. Axial als einziges blattaktives Mittel im Nachauflauf wirkt oft nicht ausreichend und die über den Boden wirkenden flufenacet-haltigen Mitteln sind für eine gute Wirkung auf eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit angewiesen. Der Einsatz muss sehr früh erfolgen. Dabei sind Spritzungen im Vorauflauf oft sicher in der Wirkung als der klassische Termin bei Sichtbarwerden der Fahrgassen. Zudem sind v.a. in der Wintergerste insbesondere beim Zusatz von Boxer die Verträglichkeiten deutlich besser. Auch ein Walzen vor der Herbizidspritzung verbessert oft die Wirkung und sollte v.a. auf klutigen Böden durchgeführt werden.

Durch den Wegfall der Lexus-Präparate ist im Weizen die Herbizidpalette im Herbst nicht wesentlich besser. Zusätzlich können noch Traxos und Atlantis eingesetzt werden. Von Atlantis-Einsätzen im Herbst ist aber abzuraten, da wir diesen Wirkstoff dringender im Frühjahr brauchen.

 

Die Erfahrung mit Chlortoluron im ersten Jahr nach dem IPU-Wegfall waren sehr unterschiedlich. Insgesamt ist die Wirkung vergleichbar bzw. leicht schwächer als beim IPU, die Verträglichkeit aber eher schlechter. Beim Weizen sind unbedingt die Sortenverträglichkeiten zu beachten.

Beachten Sie die Auflagen der einzelnen Mittel insbesondere Drainage-Auflagen und Abstände zu Gewässern. Hierzu werden im Herbst Kontrollen durchgeführt.

 

Auflagen Chlortoluron-Produkte:

  • Keine Anwendung auf den Bodenarten: reiner Sand, schwach schluffiger Sand und schwach toniger Sand
  • Nur eine Anwendung auf derselben Flächen innerhalb eines Kalenderjahres
  • Keine Anwendung auf drainierten Flächen im ganzen Jahr (Ausnahme Trinity: Verbot zw. 1.11 und 15.03)

 

Auflagen Pendimethalin (u.a. Stomp, Activus, Trinity, Addition,…) und Prosulfocarb (Boxer, Filon, Jura,….):

  • Wasseraufwand mind. 300 l
  • 90% abdriftmindernde Düse auf der gesamten Fläche
  • Windgeschwindigkeit max. 3 m/s
  • Fahrgeschwindigkeit höchstens bei 7,5 km/h

 

Bei Verwendung einer 90%-Düse mit 300 l Wasser ergibt sich ein sehr grobes Tropfenspektrum. Dies ist bei Spritzung im Vorauflauf bis frühen Nachauflauf kein Problem, bei Kombination mit blattaktiven Mitteln wie Axial oder Traxos sinkt aber die Benetzung deutlich und damit auch die Wirkungssicherheit.

Empfehlung:

Flächen mit geringem Druck

 

 

Ca. Preis

Bemerkung

Mit CTU

3 l Toluron/Lentipur

(=2100 g CTU)

+ 0,2 Diflanil

32 €

Preiswert, breit wirksam, Storchschnabel knapp

+ 65 Alliance

38 €

Storchschnabel

2,5 Toluron

+ 1,5 Trinity

40 €

Gleiche Wirkstoffgehalte wie 3 l Toluron + 1,5   Addition; Auflagen !

Ohne CTU

Franzi Komplett Pack = 0,5 l Fence + 65 g Alliance

 

240 g Flufenacet. Niederschläge nach der Anwendung   für eine sichere Wirkung nötig.

0,75 + 0,3 Bacara forte Cadou

52





















Flächen mit hohem Druck

 

 

Ca. Preis

Bemerkung

Mit CTU

1,7 l Toluron

0,6 Herold

61-64€

Ähnliche Wirkstoffausstattung (240g   FFA, 80-120 g DFF, 1200 g CTU

2,0 l Carmina

+0,5 l Fence

Ohne CTU

0,6 l Herold

2,5-3 l Boxer

76/

 

Achtung Phytotox durch Boxer, v.a. in WG. Daher   möglichst im Vorauflauf einsetzen! Hohe Diflufenikan-Menge im Herold. Eigenmischung   mit Preisvorteilen bei etwas geringerer, aber ausreichender DFF-Menge.

Alliance mit Stärke in der Storchschnabelwirkung.

 

= 0,5 Fence + 2,5 Jura + 1,0 Boxer

66

3,0 Boxer + 0,5 Cadou (Boxer   Cadou Pack) + 0,2 Diflanil oder + 65 g Alliance

70/

76

 

























Sehr trockene Bedingungen

Bei den derzeitigen trockenen Bedingungen ist die Entscheidung, wann der Herbizideinsatz erfolgen soll, sehr schwierig.

Die Spritzung von Flufenacet-haltigen Mittel oder auch Chlortoluron macht wenig Sinn, da ja leider weiterhin keine Niederschläge in Aussicht sind. Ohne nennenswerte Niederschläge nach der Anwendung fallen die Wirkungsgrade von Flufenacet, aber auch von Chlortoluron stark ab.

Daher tendiere ich eher dazu, abzuwarten und erst dann mit der Spritzung zu beginnen, wenn sicher Niederschläge gemeldet sind. Je nachdem wann die Niederschläge kommen, muss anhand der Entwicklung der Ungräser entschieden werden, welche Strategie am erfolgversprechendsten ist. Möglich sind dann entweder noch reine Bodenmittel oder bei schon aufgelaufenem Fuchsschwanz im 2-Blattstadium auch Zusätze von blattaktiven Mitteln wie Axial oder Traxos. Sobald diese blattaktiven Mittel eingesetzt werden, steigen aber die Ansprüche an die Applikation. Dann muss auf feintropfige Ausbringung bei hoher Luftfeuchte geachtet werden.

Beachten Sie bitte, dass in Dinkel, Triticale oder Roggen teilweise verschiedenen Mittel keine Zulassung haben. Bei Fragen bitte telefonisch melden.

Gerne können wir telefonisch oder vor Ort diskutieren, welche Lösungen für ihren Betrieb sinnvoll sind. Bei Bedarf bitte melden.

  

Düngeverordnung:

Beachten Sie, dass ab 1.Oktober keine Düngemittel mit wesentlichen N-Gehalten mehr ausgebracht werden dürfen. Auf Grünland beginnt die Sperrfrist am 1.November.

 

Gewässerabstand:

Im Wassergesetz BW ist ab 1.1.2019 im Bereich von 5 m an Gewässer mit wasserwirtschaftlicher Bedeutung eine Nutzung als Ackerland verboten. Mittlerweile sind die Vorgaben konkretisiert. Daher ist das aktuelle Merkblatt beigefügt.

 

 

Bei Fragen können Sie sich gerne jederzeit mit mir unter der Rufnummer 06281 52121604 in Verbindung setzen.

 

gez. Nina Waldorf LRA Neckar-Odenwald-Kreis, Fachdienst Landwirtschaft

Fußleiste