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Ernst Berg, Willi Lackenbauer, Dirk Büttner -  Untere Landwirtschaftsbehörde Buchen

25 Jahre Fachschule für EDV-gestützte Unternehmensführung in Teilzeitform
Von der Entstehung bis heute

1989 wurde an der Fachschule für Landwirtschaft Mosbach ein Modellversuch gestartet mit dem Ziel, zusätzliche Qualifikationen auf dem Gebiet der EDV-gestützten Unternehmensführung und Unternehmensentwicklung zu vermitteln.Heute, 25 Jahre später, besteht die Schule noch immer und sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt.

Entstehung der Fachschule für EDV-gestützte Unternehmensführung in Teilzeitform

1989 wurde an der Fachschule für Landwirtschaft Mosbach ein Modellversuch gestartet mit dem Ziel, zusätzliche Qualifikationen auf dem Gebiet der EDV-gestützten Unternehmensführung und Unternehmensentwicklung zu vermitteln.

Gründung der Schule im Jahr 1989

Mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums Ländlicher Raum (MLR) und unter der Trägerschaft des Neckar- Odenwald- Kreises wurde ein EDV-Schulungsraum mit 12 PC´s und entsprechender Software eingerichtet.

Die Initiative ging von der Schule selbst aus. Der damalige Schulleiter Walter Wiswesser setzte mit Willy Lackenbauer zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Siegfried Hornung alle Hebel in Bewegung, um das Projekt anlaufen zu lassen. Große Unterstützung fand das Projekt beim Schulreferenten des MLR, Hermann Pflugfelder. Innerhalb kürzester Zeit entstand aus dem Nichts heraus eine Klasse mit 17 Teilnehmerinnen und Teilnehmern; erfahrene, hochmotivierte Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter  mit großen Erwartungen an Schule und Lehrpersonal. Dieses Engagement der Teilnehmer war umso bemerkenswerter, da zur damaligen Zeit elektronische Datenverarbeitung in der Gesellschaft, insbesondere aber in der Landwirtschaft, noch weitgehend ein Randthema war.

Im April 1989 wurde der neue EDV-Schulungsraum vom damaligen Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser persönlich übergeben. In seiner Schuleröffnungsansprache stellte er dar, dass es bei dem Vorhaben um eine zukunftsgerechte Ausformung des Berufsbildes Landwirt als landwirtschaftlicher Unternehmer gehe. Das Land wolle damit die Möglichkeit der hierzu notwendigen EDV-Nutzung eröffnen. Die Kosten für die Ausstattung beliefen sich damals auf über 100.000 Mark.

Technische Ausstattung des Schulungsraumes

Die erste Hard- und Software- Ausstattung erfolgte aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum. Es wurde eine für damalige Verhältnisse sehr moderne Ausstattung des PC- Schulungsraumes beschafft. Mit dieser war es möglich, was auch praktiziert wurde, per Btx im Dialog Daten zu übertragen.

1994 Bereits fünf Jahre später  war die Technik völlig überholt. Das Land hat neue Geräte angeschafft, um den wachsenden Anforderungen der Teilnehmer gerecht werden zu können.

1997 Diese Technik musste 1997 erneut ersetzt werden, da die Anwendungsprogramme sehr viel höhere Hardware- Anforderungen aufwiesen. Der Termin der Neubeschaffung fiel mit dem Umzug der ULB von Mosbach nach Buchen (Ämterzusammenlegung) zusammen. Der Landkreis und das MLR, diesmal aus Mitteln der „Zukunftsoffensive Junge Generation", beschafften gemeinsam die derzeitige Ausstattung. Zur neuen Ausstattung gehörte nun auch ein Internetanschluss. Die Geldgeber schafften damit die Voraussetzung, dass die landwirtschaftlichen Betriebsleiter die Datenautobahn des Internet als selbstverständliches und alltägliches Hilfsmittel für die Betriebsführung kennenlernen können.

2002 wurde eine komplett neue Gerätegeneration angeschafft. Die derzeitige Ausstattung des EDV-Schulungsraumes besteht aus einem leistungsfähigen Server, einem mit weiteren Berechtigungen ausgebautem Lehrer-PC und 13 vernetzten Schüler-PC’s. Softwaremäßig sind die PC’s ausgestattet mit Windows 2000 , MS Office XP, diversen in der Landwirtschaftsverwaltung entwickelten EDV-Anwendungen sowie dem Internet Explorer und Outlook Express. Der Zugang zum Internet erfolgt über einen Provider mit Hilfe eines DSL-Anschlusses.

2007 kamen erstmalig Flachbildmonitore zum Einsatz.

2010 wurde abermals eine komplett neue Generation PC´s einschließlich eines neuen Servers beschafft und der Raum um einen Arbeitsplatz mehr ergänzt. Im Zuge dessen erfolgte die Umstellung des Betriebssystems auf WINDOWS 7 und Office 2010.

2012 wurde eine Generation neuer Flachbildschirme im Schulungsraum installiert.

Neben der Fachschule für EDV-gestützte Unternehmensführung profitieren natürlich auch die Landwirte der Region im Rahmen von FIONA - Schulungen, EDV-Arbeitskreisen und sonstigen Fortbildungen sowie die Behördenmitarbeiter von der guten technischen Ausstattung des Schulungsraumes.

Unterrichtsumfang und -inhalte

Die Fachschule für EDV-gestützte Unternehmensführung in Teilzeitform als Angebot der fachschulischen Zusatzqualifikationen im Rahmen der Landwirtschaftsschulen-Verordnung umfasst insgesamt 560 Stunden und erstreckt sich über drei Schulhalbjahre. In den beiden Winterhalbjahren erfolgt der Unterricht an zwei Tagen in der Woche.

Lehrplan in der Gründungsphase

Eine Arbeitsgruppe erstellte für diese Schulart einen aus damaliger Sicht sehr in die Zukunft gerichteten Lehrplan. In der Anfangsphase der Schule war der Unterricht so aufgebaut, dass hochqualifizierte Experten aus allen Bereichen den Unterricht übernahmen. In das Unterrichtsgeschehen waren einbezogen: Vertreter der Landesanstalten, der FH Nürtingen, des Landhandels und der Genossenschaften, Experten aus Banken und Versicherungswesen. Der reine EDV-Unterricht wurde von Fachlehrern der Fachschule erteilt.

Unterrichtsschwerpunkte waren:

  • EDV-Einsatz in Betriebsführung und Unternehmensentwicklung;
  • EDV-Einsatz im pflanzlichen undtierischen Bereich;
  • Datenkommunikation, Datenauswertung, Datenfernübertragung;
  • Buchführung, Finanzierung und Betriebsplanung;
  • Rechts- und Steuerfragen.

Inhalte heute

Im Laufe der Schulentwicklung wurde die Forderung der Teilnehmer nach einer Erhöhung des Anteils des EDV-Unterrichts zunehmend stärker. Die Schule hat sich dieser Entwicklung konsequent angepasst, deshalb hat sich der Schwerpunkt deutlich in Richtung Anwendung von Standardsoftware verschoben (Tabelle 1). Die Unterrichtsgestaltung erfolgt erwachsenengerecht, d. h. die Teilnehmer haben große Mitbestimmungsmöglichkeiten, was gewährleistet, dass deren Interessen und Anliegen weitgehend berücksichtigt werden können.

Tabelle 1: Derzeitige Inhalte der Fachschule für EDV-gestützte Unternehmensführung in Teilzeitform

Fach

Bereiche

Inhalte

Zeitlicher   Umfang

Anwendungsorientierte   EDV

  •   
  • EDV-Grundlagen
  •   
  • Internet
  •   
  • Pflanzliche und tierische        Erzeu- gung mit Unterstützung der EDV
  •   
  • z.B. Hardware, Betriebssysteme,        Organisation
  •   
  • z.B. WWW,
           E-Mail, Mailinglisten
  •   
  • z.B Schlagkartei, Kuhplaner

30 h

30 h

30 h

Standardprogramme

  •   
  • Word
  •   
  • Excel
  •   
  • Power Point

Landwirtschaftliche   Frage- und Themenstellungen


  180 h

Unternehmensführung   und Unternehmens- entwicklung

  •   
  • Allgemeine Unternehmensführung
  •   
  • Unternehmensführung per EDV
  •   
  • z.B. Agrarpolitik,        Finanzierung, Versicherungen, Büroorganisation, Zeitmanagement
  •   
  • z.B. Buchführung,        Warenterminbörsen, elektronischer Zahlungsverkehr

50 h


  40 h

Rhetorik   und Verhandlungsführung

Gesprächsführung,   Argumentationstraining

45 h

Projektarbeiten

Aktuelle   Problemstellungen der Teilnehmer

95 h

Sonstiges

Gemeinsame   Planungen, Controlling, Prüfungen

60 h

 

Auch heute werden für Spezialthemen Experten aus der freien Wirtschaft, Handel, Versicherungswesen und/oder der Landwirtschaftsverwaltung eingesetzt. Einige davon müssten sich auch im Raum befinden.

Abschlussprüfung

Die Abschlussprüfung der Fachschule besteht aus einer schriftlichen, einer mündlichen und, wie es die Landwirtschaftsschulen VO für fachschulische Zusatzqualifikationen zulässt, einer praktischen Prüfung. Hierbei stellt für viele v. a. die praktische Prüfung mit einer Dauer von 180 Minuten eine enorme Herausforderung dar, denn nun müssen die Teilnehmer zeigen, dass sie selbständig ohne fremde Unterstützung und unter Zeitdruck praktikable Lösungen zu komplexen EDV-Fragestellungen finden.

Die Absolventinnen und Absolventen durften bis 2012  nach erfolgreichem Ablegen der Abschlussprüfung die Bezeichnung „ Staatlich geprüfte/r Fachagrarwirt/in für EDV-gestützte Unternehmensführung" tragen. Seit 2013 hat sich die Bezeichnung in „Staatlich geprüfte Fachkraft für EDV-gestützte Unternehmensführung“ geändert.

Teilnehmer

Im April 2014 hat der zwölfte Kurs die Weiterbildung zum Fachagrarwirt für EDV-gestützte Unternehmensführung erfolgreich abgeschlossen.

Insgesamt haben diese Weiterbildung im Verlauf der letzten 25 Jahren 198 Teilnehmer/innen absolviert. Dabei hat sich der Anteil der Geschlechter grundsätzlich verändert: waren in den ersten beiden Kursen die Männer fast unter sich, nahmen in den letzten Jahren die Frauen den größeren Anteil ein.

In der Anfangszeit erstreckte sich das Einzugsgebiet von Buchen über Karlsruhe bis hin nach Ludwigsburg. Daran ist zu erkennen, dass damals kein vergleichbares Angebot in gesamten Raum vorhanden war. Heute kommen die Schüler fast ausschließlich aus den Kreisen Neckar- Odenwald und Rhein- Neckar. Daraus folgt, dass in den zuletzt genannten Regionen die Zahl der Interessenten ansteigt, denn die Kurse sind nach wie vor ausgebucht.

Die typischen Teilnehmer der Fachschule für „EDV-gestützte Unternehmensführung" sind die modernen landwirtschaftlichen Betriebsleiter/innen. Das Alter der Teilnehmer hat eine große Bandbreite: es schwankt von Ende 20 bis Mitte 50.

Waren früher über 50 Prozent der Teilnehmer  ausgebildete Meister/innen der Landwirtschaft oder der Ländlichen Hauswirtschaft, weitere 30 Prozent  ausgebildete Techniker oder Staatlich geprüfte Wirtschafter oder Agraringenieure/innen. Heute sind es eher die Betriebsleiterfrauen, die den Kurs besuchen.

 Zukunft der Schule

Es ist heute einhellige Meinung weit über das derzeitige Einzugsgebiet hinaus, dass diese Schule nach wie vor eine aktuelle und zeitgemäße Weiterbildungseinrichtung darstellt, die bei landwirtschaftlichen Unternehmerinnen und Unternehmern auf große Nachfrage stößt. Aber, man muss sich auch immer wieder neu erfinden und weiterentwickeln, denn der Umgang mit dem PC ist heute Pflichtbestandteil der Schulen, so dass auf andere Kompetenzen, wie z.B. Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit ein größerer Focus gelegt wird. Direkte Zukunftsangst zum Fortbestand der Schule gibt es aber von den Verantwortlichen nicht. .

Allerdings ist auch diese Fachschule nicht von der generellen Problematik aller EDV-Fortbildungseinrichtungen verschont: bereits nach drei bis vier Jahren ist eine einmal angeschaffte EDV-Ausstattung wieder veraltet. Und dabei wird es von mal zu mal schwieriger, die notwendigen Mittel für eine solche kostspielige Ersatzinvestition zu bekommen.

Fazit und Ausblick

Die Fachschule für EDV-gestützte Unternehmensführung hat die elementare Bedeutung neuer Medien für die landwirtschaftlichen Unternehmen bereits vor 25 Jahren in Ansätzen erkannt. Die Verantwortlichen haben seitdem konsequent daran gearbeitet, EDV-Fachwissen aufzubereiten und die praktische Landwirtschaft so zu schulen, dass die Umsetzung des hier erlernten Wissens und Könnens für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur absoluten Selbstverständlichkeit wurde. Die Schule hat sich dabei als Leitmotiv eine stets teamorientierte und flexible Zusammenarbeit zwischen Teilnehmern und Lehrern zum Ziel gesetzt.

Dies soll und wird auch in Zukunft so bleiben.

 Literatur

Lackenbauer, Willi: „Modellversuch in Baden-Württemberg".
In: Ausbildung und Beratung, Jahrgang 42, Heft 5, 1989.

Wattendorf, Frank: „Modellschule „EDV-gestützte Unternehmensführung".
In: Landwirtschaftliches Wochenblatt, 43/1994.

Stand: 04/2014

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